Geschichte der Evang. Pfarrgemeinde Oberschützen

Von der Reformationszeit bis zum Toleranzpatent 1781

Die reformatorische Verkündigung Martin Luthers fand in Westungarn rasch Eingang. Auch die Besitzer der Herrschaft Bernstein, zu der Oberschützen lange Zeit gehörte, die Herren von Königsberg, förderten die Reformation. Ein evangelischer Prediger für Oberschützen – er hieß Alexius Püchler -  ist aber erst ab 1565 nachzuweisen. Der Grund dürfte darin liegen, dass Oberschützen zunächst wohl Filiale einer der umliegenden Gemeinden war.

Nach dem Übertritt der Herren von Königsberg zum röm-kath. Bekenntnis und dem Verkauf der Herrschaft Bernstein an die ebenfalls katholischen Batthyány wurden die beiden Orte Jormannsdorf und Tatzmannsdorf zum Schwerpunkt evangelischen Lebens rund um Oberschützen. Evangelische Adelige aus Österreich ließen sich hier nieder, evangelische Prediger erhielten Unterschlupf und Wirkungsmöglichkeit, hierher konnten aber auch Evangelische aus vielen Orten der Umgebung zum Gottesdienst kommen, der in der Scheune eines Adeligen abgehalten wurde. Grabplatten (Epitaphien) von eingewanderten Adeligen (in der katholischen Friedhofskirche in Oberschützen) sowie Reste eines Altarantependiums (1661) zeugen von dieser Zeit.

Um die Mitte des 17. Jhdts. gab es in Oberschützen eine evangelische Schule. Die Bewohner blieben auch in der Zeit der Gegenreformation – wie die katholischen Visitationsberichte zeigen – weitgehend evangelisch, obwohl sie zu den Gottesdiensten und Trauungen in die Artikularkirche nach Nemescó gehen mussten.

Vom Toleranzpatent bis zur Gegenwart

Nach dem Toleranzpatent von 1781 sollte in Oberschützen die Pfarre für alle Evangelischen in der Herrschaft Bernstein entstehen, die Bernsteiner selbst trennten sich aber bald. Von der 1783 gegründeten Pfarrgemeinde Oberschützen lösten sich 1820 Oberwart und 1863 Unterschützen, dafür kamen 1844 Jormannsdorf sowie 1878 Aschau dazu.

Im 19. Jahrhundert wurde die Entwicklung der Pfarrgemeinde ganz wesentlich von dem von 1818 – 1848 in Oberschützen als Pfarrer tätigen Gottlieb August Wimmer geprägt. Mit der Errichtung eines „Armenschullehrerseminars“ 1845, aus dem sich dann die Höheren Schulen entwickelten, erlangte Oberschützen Bedeutung für den gesamten westungarischen, im Besonderen für den burgenländischen Raum. 1921 waren das Evang. Gymnasium und die Lehrerbildungsanstalt die einzigen Schulen im neuen Burgenland, an denen die Reifeprüfung abgelegt werden konnte.

Dabei ging es Wimmer in erster Linie um eine geistliche Erneuerung der Gemeinde. Bildung sollte – zusammen mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen (u.a. Förderung des Obstbaus) und der gesundheitlichen Verhältnisse – dazu beitragen, das religiöse Leben zu vertiefen und eine innere Erneuerung des Protestantismus in der Region herbeizuführen. Dem dienten auch die von ihm veranlassten Bibeldrucke, die Herausgabe eines Gebet- und Gesangbuches und einer „Agende“, vor allem aber die Berufung von Professoren und Vikaren, die seine Intentionen unterstützten. Wimmers politisches Engagement für die ungarische Revolution war die Ursache, dass er 1848 aus Oberschützen flüchten musste. (Link: www.bautz.de/bbkl/w/wimmer_a_g.shtml )

 Engagierte Pfarrer führten Wimmers Erbe weiter, so Senior Julius v. Stettner (1876-1916) und Theophil Beyer (1916-1940), der erste Superintendent des Burgenlandes. Von 1924 bis 1940 war Oberschützen der Sitz der burgenländischen Superintendentur.

Einen deutlichen Einschnitt im Leben der Gemeinde bildete die NS-Zeit. Nur langsam kam es nach dem Kriegsende von 1945 zu einem äußerlichen Wiederaufbau. 1946 wurde das Gymnasium als staatliche Anstalt wieder errichtet, erst 1958 erfolgte durch kirchliche Stellen die Wiedererrichtung der Lehrerbildungsanstalt. Vergeblich blieben die Bemühungen, nach der Änderung der Lehrerausbildung in Oberschützen eine eigene evangelische Pädagogische Akademie zu errichten.

Um eine innere Belebung und Erneuerung des Gemeindelebens bemühten sich in der Folge nachhaltig die Pfarrer Fürchtegott D. Pohl (1940 -1957), Kurt Tepperberg (1957-1978), Gottfried C. Fliegenschnee (1979 -1996), Johann Ulreich (1996-2004) sowie Thomas Moffat.